Fachbeitrag

§ 8b KStG in der Aktien- und Trading-GmbH

Die 95-prozentige Freistellung ist kein pauschaler Steuersatz für das gesamte Depot. Sie gilt nur für bestimmte Erträge und hat eine ebenso wichtige Kehrseite.

Roland Elias, Steuerberater (Ratisbona Steuerberatungsgesellschaft mbH)Zuletzt geprüft am 24.09.202612 Min. Lesezeit

Was § 8b KStG regelt

§ 8b KStG betrifft Bezüge und Gewinne aus Anteilen an Körperschaften. Bei einer GmbH sind das typischerweise Dividenden und Gewinne aus dem Verkauf von Aktien oder GmbH-Anteilen. Diese Beträge bleiben unter den gesetzlichen Voraussetzungen bei der Einkommensermittlung außer Ansatz.

Gleichzeitig behandelt das Gesetz 5 Prozent des außer Ansatz bleibenden Betrags als nicht abziehbare Betriebsausgaben. Daher stammt die verkürzte Bezeichnung ‚95/5-Regel‘. Der Punkt ist: Sie beschreibt nicht die gesamte Steuerbelastung eines Depots, sondern nur die Behandlung eines bestimmten Ertrags.

Veräußerungsgewinn und Dividende sind nicht dasselbe

ErtragGrundsatz auf Ebene der GmbH
Gewinn aus AktienverkaufNach § 8b Abs. 2 KStG grundsätzlich außer Ansatz; 5 Prozent gelten nach Abs. 3 als nicht abziehbare Betriebsausgaben.
Verlust aus AktienverkaufGewinnminderungen im Zusammenhang mit dem Anteil sind nach § 8b Abs. 3 KStG grundsätzlich nicht zu berücksichtigen.
Dividende ab 10 ProzentKörperschaftsteuerliche Freistellung grundsätzlich möglich, wenn die Beteiligung zu Beginn des Kalenderjahres mindestens 10 Prozent beträgt; Erwerbe von mindestens 10 Prozent können als zu Jahresbeginn erfolgt gelten.
Streubesitzdividende unter 10 ProzentNach § 8b Abs. 4 KStG grundsätzlich steuerpflichtig.
Gewerbesteuer auf DividendenEigene Voraussetzungen nach dem Gewerbesteuergesetz; die körperschaftsteuerliche 10-Prozent-Schwelle darf nicht einfach übertragen werden.

Beispiel 1: Gewinn aus dem Verkauf von Aktien

Eine GmbH verkauft begünstigte Aktien mit einem Gewinn von 100.000 Euro. Davon bleiben grundsätzlich 100.000 Euro außer Ansatz; 5.000 Euro gelten als nicht abziehbare Betriebsausgaben. Bei 15 Prozent Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und beispielhaft 400 Prozent Gewerbesteuer-Hebesatz führt das rechnerisch zu rund 1.491 Euro Steuer auf Gesellschaftsebene.

Das Beispiel unterstellt, dass keine Ausnahme greift, und berücksichtigt keine spätere Ausschüttung an den Gesellschafter. Es zeigt nur die erste Besteuerungsebene.

Beispiel 2: Streubesitzdividende

Hält die GmbH eine kleine börsennotierte Beteiligung von unter 10 Prozent und erhält 10.000 Euro Dividende, greift die körperschaftsteuerliche Freistellung nach § 8b Abs. 1 KStG wegen Abs. 4 grundsätzlich nicht. Die Dividende fließt damit in das steuerpflichtige Einkommen ein.

Genau hier entsteht einer der häufigsten Denkfehler: Kursgewinne und laufende Dividenden werden gleich behandelt. Bei breit gestreuten Börsendepots ist die Beteiligungsschwelle für Dividenden in aller Regel nicht erreicht.

Die Kehrseite: Verluste und Teilwertabschreibungen

Die Begünstigung wirkt in beide Richtungen. Gewinnminderungen, die mit dem Anteil zusammenhängen, dürfen das Einkommen grundsätzlich nicht mindern. Dazu gehören insbesondere Veräußerungsverluste und bestimmte Teilwertabschreibungen.

Eine Aktienstrategie mit hohen Gewinnen und hohen Verlusten darf deshalb nicht nur netto betrachtet werden. Die steuerliche Rechnung kann deutlich vom wirtschaftlichen Gesamtergebnis abweichen.

Was nicht unter § 8b KStG fällt

Schauen wir uns die Praxis an: Ein einziger Broker-Report kann all diese Kategorien enthalten. Eine Sammelbuchung als ‚Wertpapierertrag‘ zerstört die Information, die für die Besteuerung benötigt wird.

  • Futures, CFDs und andere Termingeschäfte sind keine Anteile an Kapitalgesellschaften.
  • Optionen benötigen eine genaue Einordnung nach Geschäft und Abwicklung; Optionsprämien sind nicht pauschal Aktiengewinne.
  • Investmentfonds und ETFs folgen dem Investmentsteuergesetz mit Teilfreistellungen und Vorabpauschale.
  • Zertifikate und viele ETCs sind rechtlich Schuldverschreibungen oder Derivate; der Basiswert allein entscheidet nicht.
  • Zinsen, Fremdwährungsergebnisse und Gebühren folgen eigenen Regeln.

Ausnahmen und besondere Risiken

Besondere Ausnahmen gelten unter anderem für Anteile im Handelsbestand bestimmter Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute sowie für bestimmte Finanzunternehmen. Ob § 8b Abs. 7 KStG eingreift, lässt sich nicht allein aus einer hohen Transaktionszahl oder dem Namen ‚Trading-GmbH‘ ableiten.

Auch Wertpapierleihe, Leerverkäufe, strukturierte Produkte und Sicherungsgeschäfte können zusätzliche Fragen auslösen. Die zivilrechtliche und wirtschaftliche Position muss vor der steuerlichen Zuordnung feststehen.

Was die Buchhaltung leisten muss

  1. 1. Produkt rechtlich einordnen

    Aktie, Fondsanteil, Schuldverschreibung, Option oder anderes Termingeschäft unterscheiden.

  2. 2. Ertragsart trennen

    Veräußerungsgewinn, Dividende, Zins, Gebühr, Währungsergebnis und Corporate Action gesondert erfassen.

  3. 3. Beteiligungsdaten dokumentieren

    Für Dividenden Beteiligungsquote und Erwerbszeitpunkt nachweisen.

  4. 4. Verluste separat führen

    Nicht abziehbare Aktienverluste und beschränkt verrechenbare Termingeschäftsverluste nicht vermischen.

  5. 5. Broker und DATEV abstimmen

    Bestände, Cash-Salden und Buchungen müssen auf dieselbe vollständige Datenbasis zurückgehen.

Allgemeine Information zum Zeitpunkt der letzten Durchsicht, keine Beratung im Einzelfall. Maßgeblich ist die Rechtslage im jeweiligen Veranlagungszeitraum.

Häufige Fragen zu § 8b KStG

Roland Elias, Steuerberater

Ihr Ansprechpartner

Roland Elias – Steuerberater, Unternehmer und Investor

Roland Elias ist Gründer der Ratisbona Steuerberatungsgesellschaft mbH und betreibt seit 2016 „Steuern mit Kopf“ – einen der größten deutschsprachigen YouTube-Kanäle zu Steuern und Finanzen. Er handelt selbst an den Kapitalmärkten und kennt die Fragen einer Trading-GmbH deshalb nicht nur aus dem Gesetz, sondern aus der eigenen Depotabrechnung.

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